Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V.
Die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e. V. (KGParl) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die vom Deutschen Bundestag institutionell gefördert wird. Seit ihrer Gründung 1952 initiiert und unterstützt sie Forschungen und Publikationen zur Geschichte der Demokratie in Deutschland und Europa vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern und assoziierten Wissenschaftlern leistet die KGParl durch Quelleneditionen und historische Darstellungen Grundlagenforschung zur Entwicklung des Parlamentarismus und der Parteien. Die Kommission versteht sich als Vermittlerin im Schnittpunkt des wissenschaftlichen Dialogs auf ihrem Arbeitsgebiet und organisiert Tagungen und Vortragsveranstaltungen mit ihren Schwesterinstitutionen in Europa (www.euparl.net).
Reichskanzler Bismarck bei der Stimmabgabe zu den Reichstagswahlen 1884. – Heute gilt das Bild eines Staats- oder Regierungschefs im Wahllokal als »visuelle Standardsituation«, die jede Wahl in zahllosen Fotografien und Fernsehaufnahmen begleitet. Im Kaiserreich war das noch anders. Die vorgestellte Zeichnung liefert das vermutlich älteste deutsche Beispiel für diesen Bildtypus. Das konservative Familienblatt »Daheim« zeigt den Reichskanzler im Moment der Stimmabgabe in seinem Berliner Wahlbezirk. Das Wahllokal befand sich in der Restauration Reimann in der Leipziger Straße 14, in unmittelbarer Nähe zum provisorischen Reichstagsgebäude. Als Wahlvorstand fungierte der Hofklempnermeister Thielmann. Das Bild hatte eine klare politische Botschaft: Es enthielt die Aufforderung an alle konservativen Wähler, das ungeliebte demokratische Zeremoniell der Reichstagswahlen zu akzeptieren und daran teilzunehmen. Der Begleittext verweist auf das gute Beispiel Bismarcks, dem alle wohlmeinenden Staatsbürger folgen sollten. Wenn nun einmal das allgemeine Wahlrecht gelte, dürfe das Feld nicht den »verneinenden Parteien« überlassen werden. – Quelle: »Fürst Bismarck als Wähler in Berlin am 28. Oktober 1884«, Zeichnung von H. Clementz (Ausschnitt), entnommen aus: Daheim, Nr. 7, 15. 11. 1884, Erste Beilage. – Die KGParl präsentiert auf ihrer Frontpage in loser Folge Bilder, die im Zusammenhang mit ihren wissenschaftlichen Projekten oder den von ihr herausgegebenen Publikationen stehen.