KOMMISSION FÜR GESCHICHTE DES PARLAMENTARISMUS UND DER POLITISCHEN PARTEIEN E.V.
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Die KGParl – Entstehung und Geschichte

Die KGParl wurde 1952 als unabhängige Forschungseinrichtung von namhaften Wissenschaftlern in Bonn gegründet, unter ihnen waren die Historiker und Politologen Ludwig Bergsträsser, Theodor Eschenburg und Fritz Fischer. Aus Sicht der an der Gründung beteiligten Wissenschaftler und Ministerialbeamten war die historische Erforschung des Parlamentarismus in Deutschland aus wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse, aber auch »aus staatspolitischen Gründen« geboten. Als international anerkannte wissenschaftliche Forschungseinrichtung sollte die KGParl durch ihre Publikationen der »gesamten politischen Öffentlichkeit« die »demokratische Tradition« der Bundesrepublik verdeutlichen.

Die KGParl widmet sich ihrer Satzung nach einem spezifischen Ziel: der wissenschaftlichen Forschung über die historische Entwicklung des Parlamentarismus und der politischen Parteien, insbesondere in Deutschland. Ihre Quelleneditionen, Einzeldarstellungen und Handbücher gelten als Standardwerke zur Geschichte der parlamentarischen Demokratie in Deutschland seit dem frühen 19. Jahrhundert. Sie vermittelten der historischen Forschung wichtige Impulse. Ihre Publikationen stießen auch in der politischen Öffentlichkeit der Bundesrepublik auf großes Interesse. 1953 erschien mit Helga Timms Studie »Die deutsche Sozialpolitik und der Bruch der großen Koalition im März 1930« der erste Band der »Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien«. Diesem Buch folgten – beim Droste Verlag in Düsseldorf – bis heute mehr als 400 weitere Publikationen. In ihnen spiegeln sich die thematische Vielfalt, aber auch die Veränderungen von mehr als fünf Jahrzehnten historischer Parlamentarismusforschung.

Neben ihren klassischen Quelleneditionen – wie zum Beispiel der Herausgabe der Sitzungsprotokolle der im Bundestag vertretenen Fraktionen oder der Dokumentation der Arbeit des Auswärtigen Ausschusses – hat sich die KGParl neue programmatische Ziele gesetzt. Gegenwärtig konzentriert sie ihre Forschungen auf drei Themenbereiche: Untersucht wird 1. das Verhältnis von Parlamenten, Medien und Öffentlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert, 2. geht es um parlamentarische Entwicklungen zu Beginn und zum Ende der SBZ/DDR, und 3. vergleicht sie die Entwicklung des Parlamentarismus und der parlamentarischen Kultur(en) in Europa.

Neben der Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse in Buchform ist es das Ziel der KGParl, ihre Aktivitäten und Erkenntnisse auf Tagungen und Workshops mit einem interessierten Publikum sowie insbesondere der internationalen Fachöffentlichkeit zu teilen. Sie kooperiert mit Instituten und Forschern in Deutschland und Europa. Besonders hervorzuheben ist dabei der Verbund, der sich unter dem Kürzel »euparl.net« zum »European Information and Research Network on Parliamentary History« zusammengeschlossen hat.

Die KGParl – Kommission, Vorstand, Institut

Die KGParl ist eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung, die vom Deutschen Bundestag institutionell gefördert wird. Ihre Organe sind die Mitgliederversammlung – die »Kommission« – und der Vorstand. Die Mitglieder der Kommission sind renommierte Universitätsprofessorinnen und -professoren verschiedener Fachrichtungen, insbesondere der Geschichts-, Politik- und Rechtswissenschaft. Zudem gehören dem Gremium der Direktor beim Deutschen Bundestag sowie der Präsident des Bundesarchivs an. Die Mitgliederversammlung, die einmal jährlich tagt, entscheidet über das Forschungsprogramm der KGParl. Sie wählt zudem den Vorstand, der die laufenden Geschäfte des Vereins besorgt. Dabei wird sie durch den Generalsekretär unterstützt. Die Forschungsprojekte werden durch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Forschungsinstituts der KGParl in eigener Verantwortung durchgeführt. Seit 2006 befindet sich ihr Forschungsinstitut am Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte.

Literaturhinweis:
Martin Schumacher, Gründung und Gründer der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, in: Karl-Dietrich Bracher u. a. (Hrsg.), Staat und Parteien. Festschrift für Rudolf Morsey zum 65. Geburtstag, Berlin 1992, S. 1029–1054