Entstehung und Geschichte
Die Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien e.V. (KGParl) wurde 1952 als unabhängige Forschungseinrichtung von namhaften Wissenschaftlern in Bonn gegründet, unter ihnen waren die Historiker und Politologen Ludwig Bergstraesser, Theodor Eschenburg und Fritz Fischer. Die finanziellen Grundlagen ihrer Forschungsarbeit erhielt die Kommission aus öffentlichen Fördermitteln, zunächst des Bundesministeriums des Innern, dann des Landes Nordrhein-Westfalen und seit 2006 des Deutschen Bundestages. Aus der Sicht der an der Gründung beteiligten Wissenschaftler und Ministerialbeamten war die historische Erforschung des Parlamentarismus in Deutschland aus wissenschaftlichem Erkenntnisinteresse, aber auch »aus staatspolitischen Gründen« geboten. Als international anerkannte wissenschaftliche Forschungseinrichtung sollte die KGParl durch ihre Publikationen der »gesamten politischen Öffentlichkeit« die »demokratische Tradition« der Bundesrepublik verdeutlichen.
Die Parlamentarismus-Kommission arbeitete in den Jahrzehnten seit ihrer Gründung und der Eintragung in das Vereinsregister 1965 als Forschungsagentur und Publikationszentrum. Wie in der Satzung festgelegt, bestand ihre Aufgabe darin, Forschungen und Publikationen auf dem Gebiet der Parlamentarismus- und der Parteienforschung anzuregen, zu fördern und selbst durchzuführen. Dafür wurde eine eigene Forschungsstelle mit fest etatisierten Mitarbeitern eingerichtet, deren Standort bis 2005 in Bonn lag, am langjährigen Sitz von Bundestag und Bundesregierung.
Die Quelleneditionen und wissenschaftlichen Monographien der KGParl vermittelten der historischen Forschung wichtige Impulse. Ihre Publikationen stießen auch in der politischen Öffentlichkeit der Bundesrepublik auf großes Interesse. 1953 erschien mit Helga Timms Studie »Die deutsche Sozialpolitik und der Bruch der großen Koalition im März 1930« der erste Band der »Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien«. Dem ersten Buch folgten – beim Droste Verlag in Düsseldorf – bis heute 300 weitere Publikationen. In ihnen spiegeln sich die thematische Vielfalt, aber auch die Veränderungen von mehr als fünf Jahrzehnten historischer Parlamentarismusforschung.
Nach dem Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin verlegte auch die KGParl ihren Standort an die Spree. Zuvor war die Arbeit der KGParl vorübergehend existentiell gefährdet gewesen, als das Land Nordrhein-Westfalen 2003 im Rahmen einer Haushaltssanierung beschloss, die Förderung mehrerer geisteswissenschaftlicher Forschungseinrichtungen einzustellen. Die Schließung des Bonner Instituts, die für die historische Forschung ein einschneidender Verlust gewesen wäre, wurde durch eine Finanzierungszusage des Deutschen Bundestages abgewendet. Seit 2006 befindet sich die Parlamentarismus-Kommission am Schiffbauerdamm 17 in Berlin-Mitte, in einer Liegenschaft des Deutschen Bundestages und in zentraler Lage in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße. Die KGParl und den Deutschen Bundestag verbindet das gemeinsame Ziel, die Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien in Deutschland und Europa zu erforschen und durch ihre Erkenntnisse zur historisch-politischen Bildung in Deutschland beizutragen.
