KOMMISSION FÜR GESCHICHTE DES PARLAMENTARISMUS UND DER POLITISCHEN PARTEIEN E.V.
SCHIFFBAUERDAMM 17 · 10117 BERLIN · TEL. 030 / 227 925-72 · INFO@KGPARL.DE
Dienstag, 4. März 2008 KGParl Logo

Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien

Schiffbauerdamm 17 · 10117 Berlin
Telefon 030/227-92572
Fax 030/227-92574

http://www.kgparl.de

Vorstellung der Edition DIE GRÜNEN IM BUNDESTAG und Podiumsdiskussion zum Wandel des Parteiensystems und der parlamentarischen Kultur

Auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion, geleitet von Günter Bannas (FAZ), diskutieren Wissenschaftler und ehemalige Abgeordnete über die politischen Folgen des Einzugs der Grünen in den Deutschen Bundestag 1983. Dass die Begegnung mit dem parlamentarischen System eher die Grünen veränderte als umgekehrt, war eines der Ergebnisse einer lebhaften, vom Nachrichtensender PHOENIX übertragenen Debatte.

Der Vorsitzende der KGParl, Prof. Dr. Andreas Wirsching (Universität Augsburg), eröffnete die Veranstaltung mit einem Hinweis auf die besonderen Umstände des Zustandekommens der Edition. Noch vor Ablauf der üblichen 30jährigen Archivsperrfrist seien die Sitzungsprotokolle der Fraktion der Grünen für die 10. Wahlperiode (1983–1987) mit Hilfe des Archivs »Grünes Gedächtnis« der historischen Forschung zugänglich gemacht worden. Der Bearbeiter der Protokolle, Dr. Helge Heidemeyer (KGParl), gab dann einen Überblick über die thematischen Schwerpunkte der parlamentarischen Arbeit der Grünen und verwies auf die teils heftigen Auseinandersetzungen mit den etablierten Parteien, die in der Edition dokumentiert sind.

»Wir waren ein bunter Haufen«, so charakterisierte die Bundestagsabgeordnete und frühere Parteisprecherin der Grünen Marieluise Beck ihre Mitstreiter in der Fraktion. Ihr Rückblick auf interne Kämpfe fiel durchaus selbstkritisch aus. Der damalige Fraktionsgeschäftsführer Dr. Michael Vesper schilderte die erheblichen Widerstände, die manche grüne Abgeordnete dem Prozess der Professionalisierung in den Weg stellten. Dass im Bundestag zunächst Skepsis und Abneigung gegenüber den neuen MdB-Kollegen überwogen, berichtete der ehemalige Postminister und Parlamentarische Geschäftsführer der CSU Dr. Wolfgang Bötsch. Für »Spinner« habe er sie anfangs gehalten, die bald wieder die politische Bühne räumen würden. Gleichwohl, so erinnerte sich der ehemalige Fraktionsgeschäftsführer der Grünen Lukas Beckmann anerkennend, sei die grüne Fraktion ganz selbstverständlich über ihre Minderheitenrechte aufgeklärt und ihre Mitglieder als vom Volk gewählte Abgeordnete mit Respekt behandelt worden. Diese Erfahrung sei letztlich ausschlaggebend gewesen für die gelungene Integration der Grünen in das parlamentarische System der Bundesrepublik, so das Resümee von Prof. Joachim Raschke (Universität Hamburg), Parteienforscher und Grünen-Experte. Strukturell sei das Parteiensystem durch die Grünen verändert worden, während die parlamentarische Kultur prägend und letztlich auch disziplinierend auf die neue politische Kraft einwirkte. Auch der Vorsitzende der KGParl, Prof. Wirsching, verwies auf das Scheitern der basisdemokratischen Ziele der als außerparlamentarische Reformbewegung gegründeten Partei. Ganz deutlich sei dies geworden durch die Aufgabe des Rotationsprinzips, dem die Funktion eines Hebels zur Parlamentsreform zugedacht war.

Neuerscheinung der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien im Droste Verlag

Die Grünen im Bundestag 1983-1987

Die Grünen im Bundestag. Sitzungsprotokolle 1983–1987.
Bearbeitet von Josef Boyer und Helge Heidemeyer unter Mitwirkung von Tim B. Peters.
Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, Vierte Reihe, Bd. 14/I.
CXXVII, 1137 Seiten, 140,– €.
ISBN 978-3-7700-5286-8

Internetbestellung: Droste Verlag

 

 

 

 

 

 


zurueckdruckendrucken