KOMMISSION FÜR GESCHICHTE DES PARLAMENTARISMUS UND DER POLITISCHEN PARTEIEN E.V.
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Montag/Dienstag, 15./16. Dezember 2008 KGParl Logo

Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien

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Workshop am 15./16. Dezember 2008 in Tangermünde
»Parlamentarische Kulturen in Europa. Aspekte eines Vergleichs«

Die vergleichende Erforschung parlamentarischer Kulturen in West- und Ostmitteleuropa war Thema eines Workshops der KGParl, an dem Historiker aus den Niederlanden, Deutschland, der Tschechischen Republik, Slowenien und Ungarn teilnahmen. Neuland betrete die Kommission mit dem intendierten Vergleich, so eröffnete ihr Vorsitzender Prof. Andreas Wirsching (Universität Augsburg) die Konferenz. Erstmals werde Ostmitteleuropa in eine vergleichende Betrachtung parlamentarischer Kulturen einbezogen. In der anschließenden Diskussion standen zunächst Wahrnehmungen und Konstruktionen eines »westlichen« Modellparlamentarismus im Mittelpunkt. Durch Umdeutungen und Fehlperzeptionen modifiziert, hätten diese Vorstellungen Einfluss auf die Verfassungsschöpfungen und Parlamentarismusdiskussionen des 19. und 20. Jahrhunderts genommen. Im Kern ging es dabei um bestimmte Funktionslogiken des Parlamentarismus – Gesetzgebung, Regierungsbildung und -kontrolle, Minderheitenschutz, Oppositionsrechte –, welche die Grundelemente einer gemeinsamen alteuropäischen Verfassungstradition bilden.

Parlamentarismusgeschichte, so wie sie die Teilnehmer der Tagung verstanden wissen wollten, umfasse jedoch weit mehr als Institutionen, Verfassungen oder Gesetzgebungsfunktionen. Gegenstand der Erörterungen des Workshops war vor allem das Verhältnis von Parlament, Medien und Öffentlichkeit, die in einem zirkulären Prozess der Selbstwahrnehmung und wechselseitigen Beobachtung miteinander kommunizieren. Exemplarisch behandelt wurden parlamentarische Rituale und kommunikative Praktiken des Agenda Setting, parlaments- und medienspezifische Redeweisen, Selbstbilder von Abgeordneten und an sie gerichtete öffentliche Erwartungen. Diese und andere Aspekte parlamentarischer Kultur vergleichend über längere Zeiträume und mit neuen Methoden zu untersuchen, erlaube es, parlamentarische Entscheidungsprozesse besser zu verstehen. Am Ende hatte der Workshop einen umfangreichen Katalog offener Forschungsfragen diskutiert. Konturen eines Forschungsdesigns waren sichtbar geworden, das in einer Serie von Konferenzen fortzuentwickeln sich die Kommission zur Aufgabe macht.

 


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