KOMMISSION FÜR GESCHICHTE DES PARLAMENTARISMUS UND DER POLITISCHEN PARTEIEN E.V.
SCHIFFBAUERDAMM 17 · 10117 BERLIN · TEL. 030 / 227 925-72 · INFO@KGPARL.DE
Mittwoch, 11. November 2009 KGParl Logo

Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien

Schiffbauerdamm 17 · 10117 Berlin
Telefon 030/227-92572
Fax 030/227-92574

http://www.kgparl.de

Vortrag »Perspektiven wissenschaftlicher Editionsarbeit im digitalen Zeitalter« von Wolfgang Hölscher (KGParl)

Auf der Fachtag »Edition und Internet« des Archivs für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Cadenabbia diskutierten Wissenschaftler und Verleger mit Archivleitern der Parteistiftungen und Vertretern staatlicher Archive die Zukunftsperspektive wissenschaftlicher Editionen und Buchpublikationen. Ausgehend von Überlegungen des Tagungsleiters, Prof. Dr. Hanns Jürgen Küsters, zu »Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung neuer Medien in der quellenerschließenden Grundlagenforschung« entwickelte sich eine kontroverse Diskussion. Im Zentrum stand die Frage nach der wissenschaftlichen Güte von Editionen im Internet und den damit verbundenen technischen und rechtlichen Problemen.

Am Beispiel der Editionsreihe »Der Auswärtige Ausschuss des Deutschen Bundestages« entwickelte Dr. Wolfgang Hölscher (KGParl) seinen Vortrag über »Perspektiven wissenschaftlicher Edtionsarbeit im digitalen Zeitalter«. Seine Ausführungen fasste er in fünf Thesen zusammen:

1. Wissenschaftliche Editionen (zur Zeitgeschichte) sind nach wie vor unverzichtbar in der Forschungslandschaft; bei richtiger Auswahl der Quellen und ansprechender Aufbereitung durch Kommentierung, Register usw. schlagen sie entscheidende Schneisen in die selbst für viele Forscher kaum überschaubare Masse des archivierten Schriftguts.

2. Wenn man wissenschaftliche Editionen grundsätzlich befürwortet, ist es notwendig ausreichende Mittel für Personal- und Sachausgaben zur Verfügung zu stellen. Durch den  Einsatz neuer Medien und  technischer Hilfen können zwar die öffentliche Verbreitung und Akzeptanz einer Edition verbessert und auch die Arbeits- und Publikationsvorgänge kostengünstiger gestaltet werden; die Editionsarbeit im eigentlichen Sinn – vor allem die textkritische und kommentierende Aufbereitung der Quellen – muss aber nach wie vor geleistet werden.

3. Die Edition in Buchform ist mit Blick auf Langlebigkeit und wissenschaftliche Verifizierbarkeit als erste Wahl anzusehen. Veröffentlichungen in Form anderer Medien (CD-ROM/Online) haben durchaus ihre Vorteile, insbesondere mit Blick auf Verbreitungsgrad und (oft freie) Verfügbarkeit. Wichtig ist aber darauf zu achten, dass diese Editionen nicht völlig ihres forschungswissenschaftlichen Charakters entkleidet werden und dass die klare und langfristige Verifizier- bzw. Zitierbarkeit gewährleistet ist. Bisherige Erfahrungen (insbesondere mit Internetadressen) stimmen skeptisch.

4. Gegen die eher dokumentarisch angelegte Online-Erschließung bzw. Online-Publikation zentraler Quellenbestände (besonders durch Archive oder durch Bibliotheken) ist nichts einzuwenden. Die Online-Stellung ganzer Bestände in Form digitaler Texte oder auch im farbigem jpg- oder pdf-Bildformat ist sogar sehr wünschenswert und könnte z.B. als Ersatz für den unsäglichen Umgang mit Fiches dienen. Die langlebige Betreuung dieser Online-Veröffentlichungen und der Rückgriff auf den eigentlichen Archivbestand muss natürlich gewährleistet sein.

5. Die dokumentarische Bereitstellung archivischer Quellen im Internet (und/oder auf CD) kann aber kein Ersatz sein für das, was wissenschaftliche Editionen bisher geleistet haben und künftig leisten sollten. So sehr eine solche Bereitstellung auch der historischen Forschung dienen kann, ist hierin keine Haupt- oder Daueraufgabe für Historiker zu sehen, sondern primär eine Aufgabe für Archivare und Dokumentare.

 

zurueckdrucken